Zeitungsartikel
Ilona Kriesl: So clickt´s beim Meerschwein
Eine Revolution ist im Anmarsch. Mehr und mehr Tierhalter schwören auf Clickertraining. Es schnalzt, klackt und schnippst an jeder Ecke. Was steckt hinter dieser Welle, die allmählich in unsere Hundeschulen und heimischen Wohnzimmer schwappt?
Die Stupsnase reckt sich in die Höhe, der pelzige Körper verharrt in erwartungsvoller Stille: Hammy hat Witterung aufgenommen. Das Objekt seiner Begierde sind Erbsenflocken. Was seine Besitzerin Katharina Lang im Gegenzug dafür erwartet, ist dem Meerschweinchen klar: Fußball spielen, Hürden springen, Stifte tragen. Nicht gerade Dinge, die die possierlichen Nager von Natur aus beherrschen. Aber sie können alles lernen. Das Zauberwort lautet: Clickertraining.
Hammy ist so schlau, wie ein doofer Hund
Per Zufall kam die Lehramts-Studentin vor sieben Jahren auf die Idee ihre Nager mit dieser Methode zu trainieren. Damals hatte sie ein sehr ängstliches Meerschwein und ihre Mutter begeisterte sich für das Clickern. Da dachten sie beide: "Probieren wir das mal mit dem Meerschweinchen aus." So gelangten die ungeahnten Talente der Tierchen sehr schnell ans Tageslicht. Die Vorgehensweise ist dabei so einfach wie effektiv: Springt Hammy durch den Reifen oder trägt den Stift zu seinem Frauchen zurück, schnalzt Katharina Lang sofort mit der Zunge und gibt ihm eine Erbsenflocke. Das Geräusch signalisiert dem Nager: "Das war gut! Dafür gibt es eine Belohnung!" Dass das nicht gleich auf Anhieb funktioniert, ist klar. Die Schweinchen müssen zunächst das Schnalzen mit etwas Gutem verbinden, erst dann kann Katharina Lang jede richtige Entwicklung bis hin zur fertigen Endhandlung belohnen. Ihr Motto: Kleine Schritte führen zum Erfolg. Laut Katharina werden die Tiere durch das Training nicht nur zutraulicher, sondern auch schlauer: "Irgendwann spulen sie ein richtiges Repertoire an Handlungen ab, wenn ihnen ein neuer Gegenstand gezeigt wird. Das reicht von darüber springen bis darauf klettern." Die Intelligenz ihres Musterschülers Hammy sieht sie mittlerweile auf dem Niveau eines minder bemittelten Hundes, was nicht zuletzt an seiner Vorliebe für Essen liegen dürfte: "Je verfressener das Tier ist, umso besser klappt´s mit dem Trainieren."

Clickertraining macht´s möglich: Für eine Erbsenflocke bugsiert Hammy seine zwei Pfund auch schon mal durch einen Reifen.
Die Mischung macht´s
Ganz gleich ob Meerschwein- oder Hundetraining. Das zugrunde liegende Prinzip ist immer dasselbe: Der Mix aus klassischer und operanter Konditionierung. Ersteres hat der berühmte Verhaltensforscher Iwan P. Pawlow an historischen Versuchen mit Hunden gezeigt. Kurz bevor er dem Vierbeiner zu fressen gab, läutete er eine Glocke. Nach kurzer Zeit reagierte der Hund allein auf das Geräusch der Glocke mit Speichelfluss. Genau so funktionier das auch beim Clickertraining. Ist die Verbindung "Click bedeutet Futter" hergestellt, kann jetzt weiter aufgebaut werden. Bei der operanten Konditionierung lernt das Tier aus Versuch und Irrtum. Zeigt Hammy das richtige, erwünschte Verhalten wird sofort geclickert und belohnt. Das vierjährige Meerschweinchen lernt sozusagen am Erfolg. Das schätzt die angehende Lehrerin an der Methode: "Clickertraining verzichtet ganz und gar auf Bestrafung und basiert nur auf positiver Verstärkung."
Nicht aus jedem Schwein wird ein Einstein
Hammy ist in der Zwischenzeit vom Training sichtlich müde geworden. Höchste Zeit für eine ausgiebige Ruhepause. Jetzt hat die Stunde für Katharinas zweiten Schützling Anton geschlagen. Der graue Nager ist der beste Beweis dafür, dass nicht aus jedem Schweinchen ein Einstein werden kann.

Stolz wie Anton: Für so ein gelungenes Posing gibt es eine Belohnung.
"Das ist wie beim Menschen," sagt Katharina Lang und fügt grinsend hinzu: "Es gibt solche und solche." Anton lässt die Sache viel ruhiger als Hammy angehen: Wenig beeindruckt stellt er sich auf den Ball und beginnt seelenruhig damit, die Gummioberfläche mit seinen Zähnen zu bearbeiten. "Naja Anton, so haben wir das nicht gelernt." Die 24-Jährige zeigt sich aber dennoch kulant. Auch für dieses fragwürdige Kunststück gibt es ein "Click!" und eine Erbsenflocke. Stellt sich nur die Frage: Welches ist jetzt das dumme - und welches das schlaue Meerschwein?
Sonntagsblitz: Der kleine Pitt kann tolle Kunststücke
BLITZ-Hobbywettbewerb: Gewinnerin Katharina Lang trainiert Meerschweinchen nach der Klicker-Methode
NEUNKIRCHEN - Meerschweinchen, heißt es oft, sind dumme Tiere, die faul im Käfig hocken. Stimmt nicht, entgegnet Katharina Lang. Die 21-jährige Studentin (Grundschullehramt) aus Neunkirchen am Brand hat ganz andere Erfahrungen gemacht. „Meerschweinchen sind intelligent. Man muss sie nur fordern.“
Sie trainiert regelmäßig mit Pitt (4) und Hammy (1). Was die Meersäue können, mag so manchen Besitzer dieser vor allem bei Kindern beliebten Haustiere überraschen: Sie apportieren Stifte, rollen Bälle zu Frauchen, springen durch Ringe oder werfen Röhren um und tappen hindurch. Wow. Nach so einer Anstrengung erwarten sie auch eine Belohnung. Ihr Leckerchen: Erbsenflocken. Es ist ein ungewöhliches Hobby, das Katharina Lang da pflegt. Daher hat sie auch den BLITZ-Hobbywettbewerb gewonnen. Wer nun rätselt, wie man es schafft, Meerschweinchen derlei Kunststücke beizubringen: Es klappt mit Klicker-Training.
Erbsenflocken als Belohnung
Mit dieser Methode kann man auch Getierchen trainieren, das nicht ganz so klug und konzentrationsfähig ist wie beispielsweise ein Hund. Das zugrundeliegende Prinzip aus der Verhaltenspsychologie ist das „Konditionieren“. Bei jeder Verhaltensweise, die „richtig“ ist, wird ein Geräusch gemacht, eben geklickert (Knackfrosch) und das Tier wird belohnt-in unserem Fall: mit einer Erbsenflocke.
Mit diesem Training angefangen hat Lang vor vier Jahren. Da hatte sie einerseits ein arg träges Meerschweinchen im Käfig, andererseits eine Mutter, die darüber nachdachte, Pferde nach der Klicker-Methode zu trainieren.
Katharina Lang probierte es aus: Und in die ängstliche Meersau kam Leben. „Es war überraschend, wie toll es darauf reagierte. Es wurde zu einem fröhlichen Tier.
Zum Einstieg trainierte Lang eine Minute täglich mit den Tieren, schließlich zehn. Anfangs übt sie Leichtes ein. Die Meersau soll einen Gegenstand mit der Schnauze berühren (Ball). Tut es das, wird geklickert und belohnt.
Hat die Meersau das verinnerlicht, gibt es keine Belohnung mehr. Und dann? „Dann probieren die Tiere selbständig neue Verhaltensweisen aus.“ Ist die „richtige“ darunter (Ball rollen), wird wieder geklickert und belohnt. Bis die Meersau irgendwann komplexe Handlungen ausführt (Ball zu Frauchen rollen). Übrigens: So liebevoll, wie Lang mit Meerschweinchen arbeitet, will sie auch mit ihren künftigen Schülern umgehen. Das heißt: „Positives Verhalten verstärken und viel mit Lob arbeiten, damit die Kinder Freude haben am Lernen.“ Auch das: eindeutig preiswürdig.
von ANDREAS DAHLBERG, Sonntagsblitz, 22.Juni 2008 (Seite 12)
Quick Links
Meine Kontaktdaten
Katharina Lang
Streitbaumweg 6
91077 Neunkirchen am Brand
Telefon: 01 76 / 99 565 374
E-Mail: kontakt [AT] clickertraining-meerschweinchen.de


